Verkehr entflechten

Verkehrsentflechtung hat zum Ziel, separate und sichere Wegführungen für Fussgänger und Velofahrende sowie flüssigen Verkehr für Autofahrende zu schaffen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Wo der Verkehr entflochten ist, steigt die Lebensqualität für alle.

Die aktuelle Situation in unseren Zentren ist für alle Beteiligten unerfreulich: Fussgänger und Velofahrer fühlen sich an den Rand gedrängt. Die Autofahrer ärgern sich über den stockenden Verkehr. Wer fühlt sich da noch wohl?

Mehrwert für alle

Es ist ganz klar: «mobil am See» ist keine Zauberformel, die alle Beteiligten restlos glücklich macht. Aber durch die Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmenden und Anwohner sollen Situationen geschaffen werden, die möglichst viele überzeugende Vorteile und möglichst wenig Nachteile bringen. Schon jetzt ist voraussehbar, dass durch die Entlastung der Zentren von Goldach und Rorschach motorisierter Individualverkehr auf andere Strassen verlagert wird. Für die Betroffenen dieses Mehrverkehrs sind griffige Massnahmen zu realisieren, die dazu führen, dass deren Wohn- und Lebensqualität weitestgehend erhalten bleibt.

«Schleich- und Suchverkehr» vermeiden

Die im Rahmen von «mobil am See» formulierten Konzepte sind keine originelle Erfindung der Projektverantwortlichen, sondern bauen auf jahrelangen Erfahrungen auf, die in Ortschaften mit ähnlicher Siedlungs- und Verkehrsstruktur gewonnen wurden. Diese Erkenntnisse sollen auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten und umgesetzt werden. Eine wichtige Erkenntnis daraus ist: Lieber etwas mehr motorisierten Individualverkehr auf weniger Strassen als weniger Verkehr auf mehr Strassen verteilt. Denn verzettelter Verkehr auf «Schleichwegen» strapaziert die Nerven aller Beteiligten, führt zu Verunsicherung und Unfällen. Mit dem neuen Parkleitsystem im Zentrum von Rorschach kann auch der Suchverkehr deutlich reduziert werden.

Lebensraum für Kinder

Verkehr entflechten heisst also auch Freiräume schaffen für Kinder, die auf Quartierstrassen und -plätzen sicher und unbeschwert ihren Bewegungsdrang ausleben können; wie die Beispiele an der Geren- und Bogenstrasse im Zentrum von Rorschach zeigen. Auch für Autofahrende entsteht so mehr Klarheit und Sicherheit, weil sie sich auf wirklich «autotauglichen » Verkehrsflächen mit übersichtlichen Leitsystemen bewegen können. Durch diese klaren Zuordnungen steigt das Wohlbefinden für alle.

Gemeinsinn ist gefragt

Als Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer schlüpfen wir im Alltag dauernd in neue Rollen. Mal sind wir Autofahrer, mal Fussgänger oder Velofahrer. Mal sind wir mit der Familie unterwegs und wünschen möglichst grosse Sicherheit für die Kinder. Mal hasten wir zu einem Geschäftstermin und träumen von breiten Schnellstrassen. Mal nerven wir uns über den Bahnlärm – und ein paar Tage später über den lückenhaften Fahrplan. Damit das Projekt «mobil am See» gelingt, müssen wir uns auch unserer eigenen Widersprüchlichkeit bewusst sein und den Mut haben, überzeugende Vorteile gegen einige mögliche Nachteile einzutauschen. Fairness und Gemeinsinn sind wichtig, um Lebensqualität für alle zu gewinnen.